Die Sieger 2016 sind gekührt

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Gestern Vormittag gab die Jury der Spiel-des-Jahres-e.V. die Gewinner in den beiden Hauptkategorien bekannt. Das Spiel des Jahres 2016 heißt Codenames des Autors Vlaada Chvatil, der seine Spiele im kleinen tschechischen Eigenverlag Czech Games Edition (CGE) veröffentlicht. In Deutschland wird das Spiel vom Heidelberger Spieleverlag publiziert und vertrieben. Der Preis Kennerspiel des Jahres geht 2016 an Isle of Skye. Es stammt aus der Feder der letztjährigen Gewinner Alexander Pfister und Andreas Pelikan und erscheint beim kleinen deutschen Verlag Lookout Spiele.

Spiel des Jahres 2016

Codenames

Name: Codenames
Autor: Vlaada Chvatil
Verlag: CGE/ Heidelberger Spieleverlag

Kennerspiel des Jahres 2016

isleofskye

Name: Isle of Skye
Autoren: Alexander Pfister/ Andreas Pelikan
Verlag: Lookout Spiele

Kritik:
Wer meinen Beitrag zu den Nominierungen gelesen hat, der weiß, dass ich die damaligen Nominierungslisten sehr kritisch betrachtet habe. Nicht, weil mir die Spiele nicht gefallen haben. Denn die nominierten Spiele waren dieses Jahr aus rein spielerischer und innovativer Sicht sehr hochwertig. Ein Problem hatte ich mit der Zielgruppe der nominierten Spiele. Der Preis Spiel des Jahres hat sich über die Jahre hinweg durch eine klare Linie in den Kategorien das Vertrauen des breiten Publikums gesichert: Der Rote Pöppel hat sich als Symbol für familientaugliche Gesellschaftsspiele etabliert, das in der Weihnachtszeit etliche Blindkäufe der ausgezeichneten Spiele für den Familienkreis garantiert. Seit Einführung des Kennerspiel des Jahres wurde seitens der Jury auch für den Grauen Pöppel ein klares Zielpublikum definiert: Es sollte keine Auszeichnung für Expertenspiele, sondern eine für gehobene Familienspiele sein. Es sollte ein Symbol für solche Spiele sein, mit denen Familien nach einiger Erfahrung im Familienspielbereich den nächsten Schritt in Sachen Strategie und Taktik machen sollten. Die nominierten Spiele des Jahres 2016 haben nach meiner Ansicht diese Zielgruppen ein wenig aus den Augen verloren.

Die Jury scheint dieses Problem wohl auch selbst gesehen zu haben. Denn der Vorsitzende der Jury, Tom Felber, fühlte sich in seiner diesjährigen Laudatio genötigt aus der Satzung des Vereins bezüglich des Sinn und Zwecks der Auszeichnung zu zitieren. Dabei stellte er fest, dass die bezweckte Förderung des Kulturguts Spiel in Familie und Gesellschaft nicht immer deckungsgleich sei. Dies käme bei den diesjährigen Nominierungen zum Ausdruck, die den Fokus teilweise mehr auf die Förderung des Spiels in der Gesellschaft anstelle der Familie setze. Es sei jedem Jurymitglied bei seiner Abstimmung überlassen, den Fokus für sich selbst zu bestimmen. Das alles klang wie eine Rechtfertigung für die Abweichung der bisherigen Nominierungspolitik und eine Neuorientierung der Auszeichnungen für die Zukunft.

Dabei liegt das Problem auf der Hand. Die Jury sieht sich natürlich als Impulsgeber für die Entwicklung des Kulturguts Spiel und möchte Innovation und Kreativität belohnen und dabei die Trends des Jahres widerspiegeln. Leider kamen dieses Jahr die großen Innovationen und Trends mehrheitlich aus dem Bereich der Expertenspiele. Hätte die Jury diese Trends ignoriert, liefe sie Gefahr antiquiert zu wirken. Dieses Dilemma hat sie folglich versucht zu vermeiden, indem sie einen Spagat vollführte. Die innovativen und trendigen Expertenspiele wurden trotz der oben beschriebenen Probleme auf die Empfehlungs- und Nominierungslisten gesetzt.

Die beiden Siegertitel scheinen irgendwie ein Kompromiss beider Ansätze zu sein. Mit der Auszeichnung von Codenames als Spiel des Jahres ist die Jury ein Wagnis eingegangen. Auf der einen Seite ist es damit dem Feedback der Spieleszene gefolgt. Auf der anderen Seite ist die empfohlene Anzahl von 4-8 Spielern nicht wirklich familienfreundlich. Familien werden sich mehrheitlich mit der weniger spaßigen Regelvariante für 2-3 Spieler begnügen müssen.
Mit der Auszeichnung von Isle of Skye als Kennerspiel des Jahres hingegen hat die Jury nach der mutigen Nominierungsliste eine Rolle rückwärts gemacht und eine konservative Entscheidung im Sinne der bisherigen Auszeichnungspolitik getroffen. Die innovativen und trendigen Spiele Pandemic Legacy und T.I.M.E Stories blieben ohne Auszeichnung. Trotzdem war dies wohl die einzig richtige Entscheidung, um das Vertrauen in das Symbol der Auszeichnung zu wahren. Im Ergebnis sind Codenames und Isle of Skye eine sehr gute Wahl und würdige Gewinner der jeweiligen Kategorien.

Für die Zukunft sollte die Jury aber ihre Lehren ziehen. Will sie alle Innovationen und Trends der Spieleszene würdigen und das Spiel in der gesamten Gesellschaft und nicht nur im Familienkreis fördern bedarf es einer Veränderung der bisherigen Auszeichnungspolitik. Will man dabei das Vertrauen in die etablierten Symbole des roten und grauen Pöppels wahren, muss die Jury letztlich wohl doch eine dritte Kategorie schaffen: Das Expertenspiel des Jahres. Ein solcher Preis stünde auch nicht in Konkurrenz zum Deutschen Spielepreis, der ja kein Expertenspielpreis ist, sondern ein Publikumspreis für das beliebteste Spiel aller Kategorien in der Spielerszene.

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