„Politische Spiele an die Uni!“

Ein Gastbeitrag von Saskia Ruth
Diese Woche hatten wir die letzte Sitzung in unserem Seminar „We the people: Demokratie spielend gestalten“ an der Universität Zürich (mit Rebecca Welge) – höchste Zeit also, um hier ein paar Eindrücke zu teilen. Das Seminar hatte sich zum Ziel gesetzt, die Grundlagen für die Entwicklung eines Demokratiespiels zu schaffen, das dann als angeleitetes Bildungsspiel in die Lehre an Universitäten eingebunden werden kann. Da ein solches Seminar eher die Ausnahme als die Regel ist im universitären Alltag, war auch nicht klar abzusehen wie weit wir in dieser Hinsicht wirklich kommen würden mit allen Einschränkungen und Anforderungen, die ein Master Seminar an der Universität mit sich bringt. Einerseits muss ein solches Seminar natürlich den Ansprüchen eines Universitätsstudiums entsprechen und kann nicht auf die Beschäftigung mit Brettspielen allein reduziert werden. Es muss also auch genug wissenschaftlich fundierter Inhalt bearbeitet werden. Andererseits haben sowohl die Studenten als auch die Seminarleitung neben dem Seminar andere Verpflichtungen.
Die Rahmenbedingen waren dennoch ideal um sich inhaltlich fundiert mit dem Thema Demokratie auseinanderzusetzen und gleichzeitig den Spaßfaktor und den Spieltrieb der Teilnehmenden gewinnbringend zu nutzen. Nachdem wir uns in der ersten Hälfte des Seminars mit der Definition und den Problemen der Demokratie beschäftigt hatten, konnten wir darauf aufbauend mit der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in thematisch relevante Spielmechaniken beginnen. Bei der Entwicklung unseres Demokratiespiels sind wir daher vom Thema zum Mechanismus gekommen. Die erste zusammenfassende Blocksitzung im April 2016 hat es uns ermöglicht die relevanten Kernelemente, Funktionen und Institutionen der Demokratie herauszuarbeiten und verschiedene Demokratieperspektiven als mögliche Spieler für unser Spiel zu identifizieren.

WTP_Sitzung2 (5)Seminar Bild 2

Von da an kam auch unser Spieleberater zum Zug (!). Da nicht alle Teilnehmer des Seminars sich als regelmäßige Spieler bezeichnen und auch die, die sich selbst als Gelegenheitsspieler bezeichnen sich nicht notwendigerweise mit der Mechanik von Spielen systematisch auseinandersetzen, war es unerlässlich für den Erfolg dieses Seminars hier einen Experten zur Seite zu haben. Mit Beschreibungen von Spielmechanismen, schriftlichen Spielberichten und exemplarischen Brettspieldemonstrationen im Seminar, konnten unsere Studenten einen tieferen Eindruck in die Welt der Brettspiele erlangen. Darüber hinaus haben wir außerkurrikulare Spielrunden angeboten, in denen bereits existierende politische Brettspiele auf den Tisch kamen (aus gegebenem Anlass zum Beispiel „1960: The Making of the President“ von Z-Man Games). Die Einteilung der Seminarteilnehmer in drei Entwicklungsteams (Spielbrett, Karten und Mechanismen) hat weiter dazu beigetragen die Spielentwicklung voranzutreiben.

Stone AgeMaking

Nach mehreren Wochen in denen wir intensive Diskussionen in Seminarforen über die mögliche Gestaltung von Karten, einem Spielbrett und den potentiell passenden Mechanismen für die Umsetzung unseres Demokratiespiels geführt haben, durften unsere Studenten in einem abschließenden Spieleworkshop ihre Ideen in die Praxis und in mehrere Spielvarianten umsetzen. Dazu wurde vor Ort gebastelt, debattiert, angepasst und ausprobiert.

Tisch 1Tisch 2

Die Quintessenz des Seminars: mit hochmotivierten Seminarteilnehmern ist vieles möglich! Die ersten wichtigen Schritte in Richtung eines thematisch fundierten und spielerisch ansprechenden Demokratiespiels sind getan.

To be continued…

Advertisements