Zeitschriften für Spieler

Als ich im Jahre 2001 zu einer Partie Tikal überredet wurde staunte ich nicht schlecht: Spiele sind nicht zwangsweise Kinderkram, sondern auch für Erwachsene wie mich reizvoll. Das Problem damals war, herauszufinden welche Spiele das sind. Ich kannte keine Informationsquellen für Brettspielinteressierte. Ich erinnerte mich dunkel mal einen Artikel in meiner Tageszeitung über Die Siedler von Catan gelesen zu haben. Das war auch alles. Wo sollte ich anfangen zu suchen? Zuerst informierte ich mich online über die vergangenen Sieger der Spiel-des-Jahres-Auszeichnung und stieß neben dem bereits bekannten Tikal auf neue Spiele wie El Grande, Die Siedler von Catan und Torres. Später stolperte ich über die Auszeichnung Deutscher Spielepreis auf Titel wie Löwenherz und Euphrat & Tigris. Irgendwann fand ich heraus, dass es tatsächlich Fachzeitschriften gab. Zuerst entdeckte ich die Spielbox, später die Fairplay. Schließlich stieß ich auf die Spiele-Datenbank BoardGameGeek und die Luding-Datenbank der RWTH Aachen. Seit 2005 verfolgte ich dann mit Boardgameswithscott meine ersten Videorezensionen. Damals waren die Informationsquellen noch sehr übersichtlich und überschaubar.

Heute ist das ganz anders. Nicht nur die Anzahl der Brettspiele pro Jahrgang ist exorbitant angestiegen, sondern auch die Anzahl der Online-Rezensenten und Blogger ist inzwischen gewaltig. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass beinahe jedes besprochene Spiel über den Klee gelobt wird. Deswegen finde ich es auch gerade heutzutage enorm wichtig zu wissen, dass da draußen immer noch professionelle Redakteure arbeiten, die sich in unabhängigen Fachzeitschriften kritisch mit den Spielen des Jahrgangs auseinandersetzen.

Aus diesem Grund will ich an dieser Stelle für alle Interessierte und Neulinge mal einen Überblick über die etablierten Formate der deutschsprachigen Fachzeitschriften geben und in meinem News-Blog in Zukunft über die jeweiliegen neuen Ausgaben informieren. Ich hätte mir das damals gewünscht:

Spielbox
Die Spielbox ist heute die älteste und auflagenstärkste Zeitschrift für Brettspiele. Sie erscheint momentan 7 mal pro Jahr und richtet sich in erster Linie an Vielspieler. Dementsprechend enthält sie größtenteils Rezensionen über Familien-, Kenner- und Expertenspiele. Daneben sind immer auch ein paar Besprechungen zu Erweiterungen und Kinderspielen enthalten. Bei Spielern besonders beliebt sind die manchmal enthaltenen exklusiven Mini-Erweiterungen für aktuelle Top-Spiele. Die Zeitschrift kostet momentan 7 € pro Exemplar, ist aber im Jahresabo für 46,20 inkl. Zustellung erhältlich.

Fairplay
Die Fairplay erscheint inzwischen auch schon seit 1987. Auch sie richtet sich primär an Vielspieler und erscheint 4 mal jährlich. Sie enthält neben Kritiken zu Spielen des aktuellen Jahrgangs auch Szene-Reportagen und Interviews mit Autoren und anderen Szene-Menschen. Besonders erwähnenswert ist die Rubrik à la carte, in der über aktuelle Kartenspiele berichtet wird. Denn die Fairplay vergibt jedes Jahr den etablierten à-la-carte-Spielepreis für das beste Kartenspiel des Jahres. Die Fairplay kostet einzeln 6 € und ist ebenfalls im Abo für 24 € inklusive Versand erhältlich.

Spielerei
Auch die Spielerei gibt es nun schon seit ca. 30 Jahren. Sie beschränkt sich inhaltlich auf Rezensionen über Spiele. Obwohl sie auch solche über Expertenspiele enthält, richtet sie sich zuallererst an Gelegenheitsspieler, mit dem Versuch diesen eine Hilfestellung beim Kauf von Familien- und Kennerspielen zu geben. Die Spielerei erscheint quartalsmäßig und kostet pro Exemplar 4 € und 15€ im Abo inklusive Versand.

Spiel doch!
Die Zeitschrift Spiel doch! ist noch recht jung und erschien kürzlich erst in ihrer zweiten Ausgabe. Sie wird vom gleichen Verlag wie die Spielbox herausgegeben. Sie richtet sich jedoch an Spiele-Einsteiger und Gelegenheitsspieler und enthält dementsprechend in erster Linie Kritiken zu Kinder- und Familienspielen. Das Niveau dürfte sich ungefähr am roten Pöppel der Spiel-des-Jahres-Auszeichnung orientieren. Sie erscheint zweimal im Jahr (März und September) und kostet 3,90 € pro Heft bzw. 9,80 im Abo mit Versand.

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